Aufbau

Erstes Studienjahr in Lille

Die Studenten werden ein paar Tage vor der offiziellen rentrée und dem Unterrichtsbeginn nach Lille gebeten, zu der so genannten prérentrée. Hier wird Euch ein Einblick in die französische Arbeitstechnik gegeben und Ihr erhaltet Unterstützung für sämtliche administrativen Schritte. Außerdem bleibt Raum für Eure Fragen.

Der Unterricht - Das Studium selbst gliedert sich dann in zwei Semester, die jeweils mit einer Prüfungsphase abgeschlossen werden, inhaltlich aber miteinander verknüpft sind. Hierbei handelt es sich im Großen und Ganzen um ein Studium Generale auf hohem Niveau. Das Programm erstreckt sich über folgende Fächer (Eine genaue Studienordnung findet Ihr direkt beim IEP.):
- Staatsrecht;
- Politische Ökonomie;
- Politikwissenschaft;
- Allgemeine Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts;
- Gesellschaft in Europa;
- Grundlagen und politische Strukturen Europas;
- Deutsch-französische Beziehungen seit 1949;
- Deutsch/ Französisch;
- Englisch;
- Sport.

In diesem Jahr habt ihr einen fest vorgeschriebenen Stundenplan, der sich in Vorlesungen - les cours d'amphi - und Seminare - les conférences de méthode - gliedert und mehr oder weniger dem Normalprogramm der filière générale entspricht.
Wichtig ist, dass in den Seminaren und Sprachkursen Anwesenheitspflicht besteht, die auch immer überprüft wird. Im ganzen Jahr darf insgesamt nur vier Mal unentschuldigt gefehlt werden.

Benotung - Eine Bewertung der Studienleistungen setzt sich aus verschiedenen Arbeiten im Rahmen der Seminare - "le contrôle continu" - und den Prüfungen am Ende der Semester für die Vorlesungen zusammen. Diese sind aber der wesentlich wichtigere Teil für die Endnote.
In den Seminaren müssen hierzu vor allem zahlreiche Referate gehalten, teilweise auch kurze schriftliche Zusammenfassungen erarbeitet werden (die so genannten fiches de lecture und die fiches techniques). Außerdem werdet ihr Euch hier schon mit ersten Klausuren vertraut machen können, mit den galops d'essai.
Im Lauf des Jahres habt ihr dann zwei große Prüfungsphasen, die erste im Januar, die zweite Ende Mai, die sich an jeweils eine vorlesungsfreie Woche - die semaine de révision - anschließen. Hier braucht ihr etwas Durchhaltevermögen, da es sich um Prüfungen (in der Regel schriftlich) in fast allen Fächern in wenigen Tagen handelt. Deutsche Studierende dürfen ein Wörterbuch benutzen, unterliegen sonst aber genau den gleichen Bedingungen wie die französischen Teilnehmer.
Die Notenskala reicht von 1-20 Punkten (letztere ist die beste Note) und ihr müsst generell die Moyenne, also 10 Punkte erreichen.
Wenn ihr das dann allerdings überstanden habt, könnt ihr euch an langen erholsamen Ferien erfreuen (von Juni bis Oktober) ohne Hausarbeiten oder ähnliches!
Für die, die irgendeine Prüfung nicht geschafft haben sollten, gibt es, keinen Grund zur Panik, denn es bleiben noch die Prüfungen der so genannten session de ratrappage, in der nicht bestandene Fächer wiederholt werden können. Damit verkürzen sich die Ferien dann zwar, da es erst Ende Juni soweit ist, aber es bleibt für deutsche Verhältnisse immer noch genug Zeit.

Praktikum – Zwischen dem ersten und dem zweiten Jahr macht man in der Regel  das 6-8wöchige Pflichtpraktikum (ist aber auch noch in den Semesterferien möglich). Einzige Bedingung ist, dass deutsche Studierende dies in Frankreich/Belgien, französische in Deutschland absolvieren. Auch hier solltet ihr Euch rechtzeitig (mit Studienbeginn in Lille) damit auseinandersetzen und mit den Bewerbungen beginnen, um auch wirklich das zu finden, was ihr wollt. Die Verwaltung des I.E.P. und das Praktikumsbüro der Universität Münster, sowie die zuständigen Profs stehen hierbei wieder gerne beratend zur Seite.
Abschließend müsst ihr dann einen Praktikumsbericht verfassen. Dieser wird zwar nicht benotet, sollte aber ausführlich und sorgfältig geschrieben und gestaltet werden.

Zweites Studienjahr in Münster

Nun ist ein anderer Rhythmus angesagt! Weniger Druck dafür aber mehr Eigeninitiative: Informationen werden selbst gesucht, der Stundenplan wird auch selbst zusammengestellt, die Anwesenheit wird generell nicht überprüft usw.
Nette Gelegenheit zum Kennenlernen der neuen Kommilitonen ist die Einführungswoche (auch O-Woche) der Fachschaften. Wir raten euch daran teilzunehmen!

Sich organisieren - Wichtig ist hierzu das Vorlesungsverzeichnis, welches für gewöhnlich schon lange vor Vorlesungsbeginn erscheint, und das Internet, wo ihr zunächst mal hauptsächlich auf Veranstaltungen des Grundstudiums schauen solltet.

Wenn die Auswahl in dem reichen Angebot schwer fallen mag, so sei hier noch bemerkt, dass viele Studenten in der ersten Semesterwoche noch keinen festen Stundenplan haben und mehrere verschiedene Kurse besuchen, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Viele entscheiden sich dann erst in der zweiten oder dritten Woche, wenn klarer geworden ist, was die einzelnen Kurse wirklich beinhalten. Da man in Münster einen eher lockeren Stundenplan hat, könnt ihr auch freiwillig an mehreren Seminaren teilnehmen, die euch interessieren. Nutzt außerdem das vielfältige Sprach- und Sportkursangebot der Uni. (Sprachenzentrum SPZ und Hochschulsport HSP) Achtet dabei auf die Anmeldefristen, die beliebten Kurse sind schnell belegt.

Politikwissenschaft - Da Ihr dieses Jahr an der Universität seid, liegt nun ein wesentlicher Akzent auf der wissenschaftlichen Arbeit, was einer gewissen Umstellung bedarf. Neben den obligatorischen Grundkursen in allen Bereichen, seid ihr in der Wahl der Seminare relativ frei, soweit jeder Bereich abgedeckt wird.
- Innenpolitik und politisches System der BRD;
- Internationale Beziehungen;

- Gesellschaft und Kultur erfahren (ein Kurs speziell für die Fifa)

- Methoden/Statistikkurse

- ein Seminar eurer Wahl

- Deutsch/Französisch

Benotung - Die Bewertung in den Grundkursen erfolgt normalerweise über Klausuren am Ende des jeweiligen Semesters (Zulassung nur bei gleichzeitiger Teilnahme an einem begleitenden Tutorium). In den Seminaren setzt sich die Note nach Gutdünken des Dozenten zusammen, entweder über Klausuren oder Hausarbeit (die in der Regel während der Semesterferien geschrieben werden). Meistens muss auch ein Referat gehalten werden. Wenn Ihr einen Kurs erfolgreich absolviert habt, gibt es dafür einen so genannten Schein.
Die Semesterferien, die auf den ersten Blick übertrieben lang erscheinen können (von Mitte Februar bis Mitte April und von Mitte/Ende Juli bis Mitte Oktober), entpuppen sich meist als das Gegenteil, da die Zeit mit den Hausarbeiten wie im Flug verrinnt.

Drittes Studienjahr in Lille

Der Unterricht – In diesem Jahr wählt ihr euren französischen Master. Es gibt 3 Bereiche in denen ihr zwischen verschiedenen Master wählen könnt.

Europäische und internationale Karrieren: unterteilt in „Conflit et developpement“ (Schwerpunkt Entwicklungspolitik, Konflikte), „Affaires européennes“ (Schwerpunkt EU-Politik), „stratégie, intelligence et gestion des risques“ (Schwerpunkt Verteidigungspolitik, Risikomanagement)

Strategien und Kommunikation der Organisationen: unterteilt in „communication publique et corporate“ (Schwerpunkt Medien und Kommunikation), „commerce et finance internationale“ (Schwerpunkt Wirtschaft und Finanzen), „management des institutions culturelles“ (Schwerpunkt Kulturmanagement, Marketing)

Öffentliche Angelegenheiten: „Métiers de l’action publique“ (Schwerpunkt öffentliches Recht), „Partenariats publique-privé“ (Schwerpunkt wirtschaftliches Recht), „developpement soutenable“ (Schwerpunkt Umweltpolitik und Nachhaltigkeit)

Im ersten Semester hat man Kurse in seinem Bereich, während man sich im 2. Semester spezialisiert. Es gibt teilweise freie Kurswahl.

Außerdem schreibt man im 3. Jahr auch seine Bachelorarbeit, die man aber im 2. Jahr in Münster bereits vorbereitet hat. In der Regel bekommt man auch einen Monat frei, um diese schreiben zu können.

Benotung - Zur Benotung kennt ihr das meiste schon aus dem ersten Jahr. Die Besonderheit des dritten Jahres ist das sog. Grand Oral, eine halbstündige mündliche Prüfung Mitte Juni. Es handelt sich hier um eine typische IEP Prüfung, bei der die Fähigkeiten der Studenten sich auszudrücken und ihren Standpunkt in einer Diskussion zu verteidigen getestet werden sollen. Ihr habt es also mit einem eher allgemein gehaltenem Thema oder einem Textkommentar zu aktuellen Fragen zu tun. Ihr habt die Wahl zwischen zwei Themen und müsst eine kurze Präsentation erarbeiten, der eine Debatte mit dem Prüfungskommitee folgt.

Viertes Studienjahr in Münster

Hier belegt ihr euren deutschen Master in „Internationale und europäische Governance“, man kann zwischen verschiedenen Modulen wählen und somit seinen Stundenplan selber zurechtlegen.

Folgende Module werden angeboten:

„Komplexität und Entgrenzung“, „Konflikt und Kooperation“, „Interessenvertretung und Lobbying“, „Politik und Politikfelder“ (1. Semester)

„Institutionelle Grundlagen“, „Europa in der Welt“, „Europäisches Regieren im Wandel“ (2. Semester)

Fünftes Studienjahr in Lille, Münster, ???

Zum krönenden Abschluss wählt man, welchen der beiden angefangenen Mater man weiterführen möchte, d.h. man geht entweder nach Lille zurück oder bleibt in Münster.

In Münster wählt man Module aus folgenden Bereichen: „Regieren in und mit der Zivilgeselschaft“, „Regionale Politik“, „Führen und Verwalten“. Man belegt dabei noch 2 Onlinekurse des IEP Lille und beteiligt sich an einem Forschungskolloquium. Im 2. Semester des 5. Jahrs schreibt man seine Masterarbeit. Man kann sagen, dass der Master in Münster eher wissenschaftlich ausgerichtet ist.

In Lille hat man nur im 1 Semester lang Vorlesungen und macht anschließend im 2. Semester ein 6-Monatiges Praktikum seiner Wahl (auch im Ausland möglich). Der Praktikumsbericht ersetzt dabei die Masterarbeit. Das 5. Jahr in Lille ist eher praktisch ausgerichtet.

Das 5. Jahr an einer anderen Uni zu machen ist in der Regel nicht (mehr) möglich, außer man schafft es ans „College d’Europe“ (Brügge oder Natolin), an die „London School of Economics“ oder an die „Ecole Supérieure de Journalisme“ (Lille), deren Aufnahmeverfahren relativ anspruchsvoll sind.